Modellsiedlung wird energieautark

Mit dem Projekt Juiser Feld in Kaldenkirchen gehen die Stadtwerke Nettetal völlig neue Wege: Über Photovoltaik und Wärmepumpen hinaus bieten Paketstation und Leih-Lastenräder neue Möglichkeiten.
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Die geplante Modellsiedlung Juiser Feld in einer 3D-Grafik.

KALDENKIRCHEN | Entstehen sollen nach und nach 70 bis 80 Wohneinheiten. Allein das wäre schon eine gute Nachricht, aber mit der Modellsiedlung Juiser Feld ist eben auch energiemäßig ein zukunftsweisendes Konzept gemeint. Träger des Projekts sind deshalb die Stadtwerke Nettetal. Die Modellsiedlung Juiser Feld war schon bei der Immobilienmesse im Oktober 2019 der Renner. Seitdem ist knapp ein Jahr vergangen, ohne dass sich nach außen hin etwas getan hat.

Der Eindruck trügt, beruhigen Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Dieling und Markus Grühn, Leiter Stadtplanung. Zwar hat die Corona-Pandemie für Verzögerungen gesorgt, aber die Planungen sind weitergegangen. Bereits im Oktober sollen zwei Bürgerbegegnungen anberaumt werden. Das neue Format ersetzt eine große Bürgerversammlung, die in Corona-Zeiten nicht möglich sei. Stattdessen werden die Pläne an zwei Abenden von 17 bis 20 Uhr ausgehängt und von Mitarbeitern erklärt. Ort könnte die Mensa der alten Hauptschule sein.

Während das Bauleitverfahren läuft, überlegen sich die Stadtwerke das weitere Vorgehen. Geschäftsführer Norbert Dieling möchte das Projekt doppelt aufteilen: Zum einen gibt es zwei Bauabschnitte, die zeitlich gestaffelt sind, zum anderen wünschen sich die Stadtwerke drei Bauunternehmen, die Spezialisten für jeweils ein anderes Segment sind. Denn die Modellsiedlung besteht aus einem Mix aus Reihenhäusern, Doppelhaushälften oder Einzelhäusern sowie wenigen Geschossbauten. Ziel ist bezahlbarer Wohnraum auch für junge Familien.

Der Clou ist aber die Energieversorgung. Die Siedlung soll weitgehend energieautark werden. Der Strom wird über Photovoltaik erzeugt und in einem Speicher für die Nacht gelagert. Der Strom soll nicht ins Netz eingespeist werden. Fürs gute Klima sorgt eine kalte Nahwärme, die mit Grundwasser in einen Kreislauf gespeist wird. Die Wärmepumpen können sowohl für Wärme als auch für Kühle sorgen.

Dieses zukunftsfähige Energiekonzept war auch für die Stadtwerke der Antrieb, eine solche Modellsiedlung zu errichten. Die Stadtwerke werden dabei von der Technischen Universität Köln unterstützt. Diese Technik ist zwar innovativ, aber bereits erprobt. Vorbild für Nettetal war eine Siedlung in Troisdorf, auch in Schleswig gibt es ein ähnliches Projekt, so Dieling.

Die Modellsiedlung entsteht auf einer 21.000 Quadratmeter großen Fläche, die in zwei Bauabschnitte von jeweils etwa 10.000 Quadratmetern aufgeteilt wird. Sie wird von der Styler Straße und Juiser Feld begrenzt und erschlossen. Zum Gewerbegebiet Nettetal-West wird die Modellsiedlung mit einem Grünstreifen abgetrennt. Der soll begehbar gemacht werden und eine besondere Aufenthaltsqualität erhalten.

Nicht nur bei der Energie wollen die Stadtwerke neue Wege gehen. Auch in Sachen Mobilität versteht sich die Siedlung als Modell. Innerhalb der Siedlung wird großer Wert auf Verbindungswege für Fußgänger und Radfahrer gelegt. Es sollen Gemeinschaftslasträder angeschafft werden, auch die Möglichkeit von Carsharing ist angedacht. In der Siedlung soll eine Paketstation für mehrere Anbieter errichtet werden, damit Berufspendler unabhängig von Öffnungszeiten Pakete erhalten und versenden können. Für Freiberufler im Homeoffice soll es die Möglichkeit geben, Büroräume punktuell zu nutzen.

Bereits jetzt gibt es eine lange Interessentenliste. Doch die Liste ist nicht geschlossen, man kann sein Interesse weiterhin bekunden. Grundsätzlich gilt, bezahlbaren und nicht exklusiven Wohnraum zu schaffen. Doch noch könne nichts Konkretes zu den Preisen gesagt werden. Nach den noch nötigen Planungsschritten, Offenlage und Ausschreibung soll im dritten Quartal 2021 mit der Erschließung des Geländes begonnen werden. Die reine Bauphase wird knapp ein Jahr dauern. Die ersten Nutzer werden wohl im Jahr 2023 einziehen können.

So weit ist es jetzt aber noch nicht. Die Modellsiedlung steht noch so weit am Anfang, dass sich Bürger in Workshops oder einer AG in den kreativen Prozess einbringen können. Markus Grühn, Leiter Stadtplanung, erinnert daran, dass auch noch ein einheitliches Architekturkonzept erarbeitet werden müsse. Kurzfristig aber steht erst einmal ein Termin mit Straßen NRW an, um verschiedene Möglichkeiten der verkehrlichen Erschließung über die Styler Straße (L 29) zu diskutieren.

Quelle: Rheinische Post E-Paper

    

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